Autofahrer weltweit wollen Elektromobilität – Preis und Komfort müssen aber stimmen
Continental-Mobilitätsstudie 2011:
Weltweit sind Autofahrerinnen und -fahrer gegenüber Hybrid- und Elektroautos aufgeschlossen. Ihre Kaufentscheidung machen sie allerdings vorrangig vom Preis des Fahrzeugs abhängig.
Dabei ist ihre Bereitschaft zur eigenen Zuzahlung weit entfernt von den tatsächlichen Mehrkosten, die im Vergleich zum herkömmlichen Antrieb mit Verbrennungsmotor rund 10.000 Euro betragen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der „Continental-Mobilitätsstudie 2011“, die das Markt- und Sozialforschungsinstitut infas federführend erstellt und in vier Ländern und zehn Metropolen durchgeführt hat. Dies ist eine der umfassendsten Akzeptanzstudien, die bisher zum Thema Elektromobilität vorliegen.
Weitere wichtige Ergebnisse betreffen die Reichweite und Ladestation-Infrastruktur: Fast drei Viertel der deutschen und gut die Hälfte der US-amerikanischen Autofahrer würde es „sehr stören“, wenn sie ihr Auto alle 150 Kilometer aufladen oder betanken müssten – obwohl 90 Prozent von ihnen am Tag nicht weiter als 100 Kilometer fahren würden und damit innerhalb der Reichweite einer Batterieladung blieben. Zudem verfügt jeder Zweite zu Hause über einen festen Standplatz mit Steckdose.
Befragung junger Erwachsener in Europa, Asien, Nord- und Südamerika
Vor dem Hintergrund zunehmender Umweltbelastungen und immer knapper werdender fossiler Energieträger investieren Regierungen und die Automobilindustrie in Europa, China und den USA in die Entwicklung alternativer Antriebs- und Mobilitätssysteme.
Wie diese von potenziellen Käufern und Nutzern angenommen werden, welche Erwartungen sie an solche Autos haben und inwieweit sie Hybrid- und Elektroautos Potenzial zur Lösung bestehender Probleme zusprechen, hat infas für den internationalen Automobilzulieferer Continental untersucht. Für die „Continental-Mobilitätsstudie 2011“ wurden Autonutzer in Deutschland, den USA, Frankreich und China sowie junge Erwachsene (bis 35 Jahre) in den zehn Metropolen Berlin, Hamburg, Paris, Los Angeles, Sao Paulo, Moskau, Beijing, Bangkok, Delhi und Singapur befragt. Zusätzlich wurden nationale Mobilitätserhebungen ausgewertet.
Deutsche Autofahrer zeigen sich am besten informiert, wenn es um alternative Antriebe geht: Hybridautos kennen 96 Prozent und Elektroautos 99 Prozent. Zum Vergleich die Werte der anderen Länder: USA 91 Prozent bzw. 92 Prozent, Frankreich 69 Prozent bzw. 67 Prozent, China 87 Prozent bzw. 92 Prozent. „Das grundsätzliche Interesse, Elektroautos zu kaufen, ist in den untersuchten Märkten groß“, sagte der Continental-Vorstandsvorsitzende Dr.
Elmar Degenhart. „Allerdings erwarten die Verbraucher bezahlbare, alltagstaugliche Mittelklassefahrzeuge mit ausgereifter Technik und akzeptablem Komfort. Erst wenn Preise deutlich sinken – was eine erhebliche Volumensteigerung voraussetzt – wird sich ein bedeutendes Käuferpotenzial ergeben.“
Das eigene Auto bleibt wichtig
Acht von zehn Autonutzern ist es in allen ausgewählten Ländern wichtig, ein eigenes Auto zu besitzen. Nur in den Metropolen, vor allem den europäischen, sind diese Werte niedriger. Deutsche und Chinesen (jeweils 79 Prozent) wählen grundsätzlich gern ein Modell, mit dem sowohl Kurz- als auch Langstrecken bequem zu bewältigen sind (US-Amerikaner: 57 Prozent, Franzosen: 68 Prozent). Die Mehrheit versucht, energiesparend zu fahren (Deutschland: 74 Prozent, USA: 62 Prozent, Frankreich: 68 Prozent, China: 70 Prozent). Vor allem Chinesen (59 Prozent) halten es für wichtig, ein Auto zu besitzen, das auch andere Menschen gut finden. In Deutschland spielt der Prestigefaktor mit 14 Prozent dagegen kaum eine Rolle. US-Amerikaner (27 Prozent) und Franzosen (36 Prozent) bewegen sich hier im Mittelfeld.
Noch geringes Käuferpotenzial für Elektroautos
Wer kommt derzeit als Kunde für Elektroautos in Frage? Die „Continental-Mobilitätsstudie 2011“ untersucht das Nachfragepotenzial und berücksichtigt hierbei den Bekanntheitsgrad, ein geeignetes Nutzungsmuster – in diesem Fall definiert durch mindestens 70 Prozent Kurzstreckenfahrten bei maximal 150 Kilometern täglich und nicht mehr als vier Strecken über 100 Kilometer monatlich –, konkrete Kaufabsicht sowie die Erwartung eines höheren Anschaffungspreises. Daraus ergäbe sich derzeit rein rechnerisch ein Nachfragepotenzial für reine Elektrofahrzeuge von vier Prozent in Deutschland, zwei Prozent in den USA und einem Prozent in Frankreich. Im Vergleich dazu herausragend sind die Marktaussichten in China mit 14 Prozent.
Chinesen sind auch am optimistischsten, wenn es um die Alltagstauglichkeit von Elektroautos geht: Mehr als 60 Prozent erwarten dies schon in den Jahren 2015 bis 2021 und damit in einem sehr überschaubaren Zeitraum. Immerhin jeder zweite deutsche Autofahrer sieht das ebenso, US-Amerikaner (40 Prozent) und insbesondere die Franzosen (12 Prozent) sind vorsichtiger.
Kurze Wege und lange Standzeiten sind ideale Nutzungsvoraussetzungen
Zur Frage, wie derzeit Privatfahrzeuge im Alltag genutzt werden, wurden für die Continental-Mobilitätsstudie nationale Verkehrserhebungen aus den USA und Deutschland ausgewertet. Das Ergebnis: 40 Prozent der Autos wurden am Tag der Befragung überhaupt nicht genutzt. Neun von zehn Autos werden täglich weniger als 100 Kilometer weit gefahren – sowohl in den USA als auch in Deutschland. Die tägliche Stillstandszeit eines Fahrzeugs zwischen zwei Wegen ist beträchtlich lang. In Deutschland werden 40 Prozent der Fahrzeuge zu Hause tagsüber im Schnitt drei Stunden abgestellt, 15 Prozent parken am Arbeitsplatz für sieben Stunden. Die Werte für die USA: Stillstand zu Hause bei 35 Prozent für 2,5 Stunden, am Arbeitsplatz 10 Prozent für 6,5 Stunden. Auch Autos mit mehr als 100 Kilometern Tagesstrecke werden in Deutschland tagsüber zu 52 Prozent für mehr als fünf Stunden abgestellt.
„Diese Werte zeigen, dass ein flächendeckendes Netz von öffentlichen Ladestationen keine zwingende Voraussetzung für den reibungslosen Betrieb von Elektrofahrzeugen ist“, sagt José A. Avila, Continental-Vorstandsmitglied und Leiter der Division Powertrain. Denn in allen für die „Continental-Mobilitätsstudie 2011“ befragten Ländern verfügen 80 Prozent und mehr der Fahrer über einen festen Stellplatz zu Hause, wobei die Ausstattung mit einer Steckdose derzeit noch variiert: In Deutschland beträgt sie 51 Prozent, in den USA 49 Prozent, in Frankreich 36 Prozent und in China 13 Prozent.
Der Preis entscheidet über den Kauf
Als wichtigste Voraussetzung für den Kauf eines Elektroautos nennen die Fahrer in allen Ländern an erster Stelle den Preis: 43 Prozent in Deutschland, 41 Prozent in den USA, jeweils 49 Prozent in Frankreich und China. Folgerichtig werden in allen Ländern neben dem Ausbau öffentlicher Ladestationen vom Staat vor allem Steuerermäßigungen, Prämien und Zuschüsse für den Erwerb gewünscht.
Potenzielle Käufer wären aber auch bereit, zugunsten eines alternativen Antriebs Abstriche in anderen Bereichen zu machen: In Deutschland die meisten bei der Höchstgeschwindigkeit (71 Prozent) und die wenigsten bei der Sicherheit (10 Prozent), aber immerhin auch 32 Prozent bei der Reichweite und 38 Prozent beim Komfort.
„Kriterien zur erfolgreichen Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen sind einerseits ein koordiniertes und industrieübergreifendes Vorgehen aller Beteiligten und andererseits die Standardisierung aller Komponenten, die nicht der Markendifferenzierung der Hersteller dienen“, sagte Avila. „Zudem gilt, die Autofahrerinnen und -fahrer über Vor- und Nachteile dieser neuen Form individueller Mobilität aufzuklären. Die Studie belegt überzeugend, dass auch unter Autofahrern, die ständig nur Kurzstrecken bis zu 30 Kilometern fahren, die Sorge um eine möglicherweise nicht ausreichende Reichweite groß ist. Und die ist faktisch unbegründet.“
Fazit
- Käuferpotenzial aktuell noch eher gering – ausgenommen in China
- In Deutschland und den USA fahren neun von zehn Nutzern weniger als 100 km täglich
- Reichweitenangst dennoch ausgeprägt – sogar unter Kurzstreckenfahrern
- Lange Standzeiten zu Hause – überwiegend auf eigenem Stellplatz oder am Arbeitsplatz
Zur Studie:
Im Auftrag des internationalen Automobilzulieferers Continental wurden vom 30. Juni 2011 bis zum 18. Juli 2011 von infas jeweils rund 1.000 Personen ab 18 Jahre in Deutschland, Frankreich, den USA und China sowie junge Erwachsene bis 35 Jahre in den Metropolen Bangkok, Beijing, Berlin, Delhi, Hamburg, Los Angeles, Moskau, Paris, Sao Paulo und Singapur befragt.
greenmotorsblog.de – Quelle: Pressemitteilung zur Continental-Mobilitätsstudie 2011 vom 15.12.2011

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Diese Studie wurde schon vor ein paar Wochen veröffentlicht und breit in den Medien rezitiert, aber dieser Beitrag bei greenmotorsblog.de ist derweil der Ausgeglichenste, danke dafür!
Aber ich muss mich schon manchmal wundern, dass in allen Redakteursetagen von Welt.de über FAZ, Autobild und A-M-S.de sowieso, ein entscheidender Punkt total übersehen wird: Selbst diese “4% mit konkreter Kaufabsicht in nächster Zeit, geeignetem Nutzungsmuster, Inkaufnahme eines höheren Anschaffungspreises, etc.” machen fast 600.000 Autofahrer in Deutschland aus. (!) Die Conti-Studie ist nämlich repräsentativ für alle rund 15 Millionen Autofahrer in Deutschland.
Das bedeutet im Umkehrschluss, dass das derzeitige Angebot an Elektroautos weit hinter dem potenziellen Markt (Käufer!) hinterherhinkt.
Und die Reservierungszahlen zeigen es ja beim Nissan Leaf oder Chevrolet Volt in den USA, wo bislang jeder produzierte Wagen an den Mann gebracht wurde und die selbst-gesetzten Zielmarken von 10.000 Stück letztes Jahr produktionsbedingt nicht erreicht werden konnten, und nicht nachfragebedingt. Ich finde, dass auf vielen Stromer-Blogs und News-Seiten das viel zu kurz kommt und dadurch ein völlig falsches Bild von der Akzeptanz von E-Autos verbreitet wird – sowas wie E-Autos seien “Ladenhüter”…hat schon mal jemand ein paar E-Autos in einer Reihe bei einem Autohändler gesehen, die niemand haben will? Die gibt es nicht. Denn alle produzierten Stromer sind derweil nur mit längeren Wartezeiten zu haben.
Hallo Peter,
vielen Dank für dein Lob, aber ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken.
Ich habe tatsächlich die Pressemitteilung von Continental übernommen (s. Quellenangabe). Eben aber aufgrund der von dir angesprochenen Ausgeglichenheit. Die Informationen daraus nochmals zusammen zu schreiben wäre dem Inhalt einfach nicht dienlich gewesen.
Danke auch für deine regelmäßigen Postings!
Viele Grüße,
Thomas – greenmotorsblog.de
Elektromobilität ist etwas für Leute, die an den Klapperstorch glauben. Der derzeitige Hype hat wohl auch damit zu tun, dass mit Erd-/Biogasautos in Verbindung mit Elektromethan/Windgas eine nachhaltige und alltagstaugliche Technik in den Startlöchern steht. Da haben alle, die in Wasserstofftechnologie und Akkutechnik investiert haben, jetzt Angst um ihre Investitionen.
Warum das mit dem Elektroauto nichts wird, steht hier:
http://selbstversorger-blog.over-blog.de/article-elektromobilitat-eine-alltagstaugliche-technologie-79701484.html
@Fokko: Mit Verlaub, aber ich habe selten so viel Unfug über Elektromobilität gelesen wie auf dem verlinkten Blog-Eintrag. Es würde viel Zeit kosten, die vielen Unwahrheiten einzeln zu widerlegen, nur so viel: Die Entwicklung der Batterietechnologie in den letzten zehn Jahren hat sich exponentiell beschleunigt. Es ist in der Forschung nunmal so, dass je mehr Mittel eingesetzt werden und je mehr Wissenschaftler sich mit der Fortentwicklung einer Technologie befassen, es dann zu schnelleren Innovationssprüngen kommt. Mittlerweile gibt es Lithium-Ionen-Akkus, die sich innerhalb von 20-30 Minuten mit Starkstrom zu 80% laden lassen und einen Mittelklassewagen damit bis zu 150 Kilometer weit befördern. Die Entwicklung ist aber erst am Anfang. In etwa 5-10 Jahren werden z.B. Lithium-Luft-Akkus, und ähnliches, diese heute üblichen Akku-Eigenschaften weit übertreffen.
Es gibt nichts Bescheuerteres als fossile Rohstoffe milliardenfach dezentral zu verbrennen und dabei CO2, sonstige Abgase, Feinstäube, etc. zu produzieren. Es ist aber leider im Interesse der Mineralölkonzerne so lange wie möglich mit ihrem Geschäftsmodell Geld zu machen – viel Geld. Unter den Top10-Konzernen mit den größten Gewinnen in der Welt sind die Hälfte “Öl und Gas”-Unternehmen (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_Unternehmen_der_Welt#Fortune_Global_500_.E2.80.93_Gr.C3.B6.C3.9Fte_Unternehmen_nach_Umsatz)
Mit Hilfe von Wind und Sonnenenergie und der entsprechenden Speichertechnik kann man die Erde und alle Mobilitätsansprüche der gesamten Menschheit DOPPELT (!) versorgen. Das wäre auch einfach, wenn man entsprechende Investitionen tätigen würde. Aber damit ließe sich nicht so gut Geld verdienen wie mit einem knappen Gut (Benzin, Gas)…
Einfach mal die Brille abnehmen, sich gut genug umsehen, nachdenken und ein wenig Vorstellungskraft aufwenden.
Und wenn Elektromobilität zu 100% durchgesetzt ist, dann gibt es völlig abgas- und lärmfreie urbane Räume ohne aufgröllende LKW-Motoren, heulende Vespas und stinkende Diesel-Rußschleudern. Schon mal über sowas nachgedacht? Dann hätten wir auch 50% weniger Krebs- und sonstige Umweltgift- und Lärmbedingte Krankheiten und auch erwiesenerweise weniger Stress, der lärmbedingt ist. Schon mal an einer viel befahrenen vierspurigen Stadtstraße gewohnt? Nein? Dann fehlt Ihnen notwendige Lebenserfahrung mein lieber Herr!
Ignoranz von Leuten wie Ihnen ist es, die Fortschritt behindert.
Interessante Infos gibt es auch immer wieder auf einem ADAC-Blog zu Verkehr und Mobilität, z.B.: http://forummobilitaet.wordpress.com/2012/01/20/elektromobilitat/