e-Monday – ”Elektroauto fahren ist wie sonntags beichten”
Streitgespräch offenbart unterschiedliche Ansätze beim Thema „Reichweite“.
Eigentlich kein Grund zum Meckern über die Reichweite von Elektrofahrzeugen: „Wir haben einen guten Stand bei Lithium-Ionen-Batterien erreicht“, stellte Pitt Moos während des e-Monday-Streitgesprächs „Alternative Antriebstechnologien für eine nachhaltige Mobilität“ am 19. Oktober auf der Fachmesse eCarTec in München fest. „Die Kunden brauchen nicht noch mehr Reichweite, sondern geringere Kosten“, so die feste Überzeugung des Product Manager Smart Electric Drive bei Daimler. Zudem regt sich auch bei PS-Liebhabern heutzutage immer häufiger das ökologische Gewissen, und da passe ein Smart als Zweitwagen gut zum Porsche in der Garage, denn „Elektroauto fahren ist dann wie sonntags beichten gehen“, so Moos.
Mit seiner Reichweite von insgesamt rund 500 km sei der eCarTec-Award-Gewinner Opel Ampera dagegen typischerweise kein zusätzlich angeschafftes Fahrzeug, sondern ein „Erstwagen“, so Gerrit Riemer, bei Opel zuständig für Future Mobility. Möglich mache das der bei niedrigem Batteriestand einspringende Verbrennungsmotor. Als Hybrid dürfe das Antriebskonzept allerdings nicht missverstanden werden, da dieser „Range Extender“ den Wagen nie direkt antreibe, sondern – je nach Fahrweise, Streckenprofil und Außentemperatur – nach 40 bis 80 km batterieelektrischer Fahrt die Batterie nachlade. Interesse zeigen laut Riemer Flotten- und Privatkunden durch derzeit über 6000 Reservierungen für das ab Ende 2011 erhältliche Fahrzeug.
Kaum ein Thema ist die Reichweite dagegen für Brennstoffzellen-Fahrzeuge, die mit Wasserstoff ähnliche Strecken zurücklegen wie heutige Sprit-betriebene Autos. Sogar schwere Nutzfahrzeuge werden zunehmend mit Brennstoffzellen ausgestattet, wie Thomas Melczer ausführte, Director Business Development & Investor Relation von Proton Power Systems. Woher der dafür nötige Wasserstoff kommt sei nicht die Frage: „In Deutschland und allen Industrieländern gibt es genug Wasserstoff aus chemischen Prozessen“, stellte Melczer fest – so viel, dass er teilweise einfach verbrannt wird. Erst wenn diese Mengen für die Mobilität erschlossen seien, müsse man sich nach anderen Quellen umsehen.
Eine attraktive Option zur Erzeugung von Wasserstoff ist die Elektrolyse, also die chemische Zerlegung von Wasser mit Hilfe Strom aus Wind- oder Solarenergie, schon weil sich damit lokal oder temporär überschüssige Energie aus erneuerbaren Quellen elegant in Form von Wasserstoff speichern lässt. „Ein Problem ist allein der Transport“, so Melczer, da der Energiegehalt von gasförmigem Wasserstoff gering ist, der Umgang mit dem deutlich dichteren flüssigen Wasserstoff aber weitaus schwieriger sei. Sicher ist nur eines: „Ohne flächendeckende Wasserstoff-Tankstellen keine Akzeptanz“.
Einig waren sich die Teilnehmer am Schluss des munteren Schlagabtausches: Die Zukunft liegt in einer Kombination der Antriebstechnologien (Melczer), bis in einigen Jahrzehnten nur noch elektrisch gefahren werden wird, mit Batterie oder mit Brennstoffzelle, „weil dann Öl zu teuer zum Verbrennen ist“ (Moos). Den Einstieg in den Paradigmenwechsel ermöglichen heute schon rein batterieelektrische Fahrzeuge oder solche mit einem Verbrennungsmotor als Range Extender. Und Fahrzeuge mit Brennstoffzellen gibt es auch schon – mehr dazu beim nächsten e-Monday am Montag, den 28. November.
greenmotorsblog.de – Quelle: e-Monday

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“Zudem regt sich auch bei PS-Liebhabern heutzutage immer häufiger das ökologische Gewissen, und da passe ein Smart als Zweitwagen gut zum Porsche in der Garage, denn „Elektroauto fahren ist dann wie sonntags beichten gehen“
Diesen Satz von Moos empfand meine Freundin und ich als ziemlich unmöglich und arrogant – weiß nicht wie es Ihnen da ergangen ist. Ich habe nämlich mitbekommen, dass mit Ihnen auch ein anderer E-Blogger anwesend war. ☺
Leider habe ich die Frage von Ihnen in der Diskussionsrunde dann nicht mehr richtig mitbekommen.
Mich würde Ihre Meinung interessieren, woran Sie/ihr von greenmotorsblog.de die Zukunft der Autos seht? Ich persönlich favorisiere da ganz klar das rein batterie-elektrische Auto.
Die Entwicklung der Batterien für Autos steckt noch in den Kinderschuhen und doch gibt es schon Autos, die locker 300 km und mehr fahren. Entwickler wie z.B. dbm-energy (Lekker-Mobil), Tesla Model S (480 km) und Toyota (1.000 km-Akku) zeigen was künftig möglich sein wird. Ich bin da sehr optimistisch – es geht viel mehr ums Wollen als ums Können und gerade im Bereich der Nano-Technologie ist bei Batterien noch sehr viel Potenzial vorhanden.
Siehe auch hier:
http://www.elektroauto-infos.com/2011/10/toyota-news-elektroautos-mit-1-000-km-es-ist-moglich/
Bloggerische Grüße, Volker Adamietz
Hallo Herr Adamietz,
besten Dank für Ihren Kommentar.
Mir ging es mit Herrn Moos’ Aussage sehr ähnlich. Er hat das Elektroauto damit schon sehr relativiert wenn nicht sogar schon degradiert. Das will für den Hauptverantwortlichen für das Marketing von Elektroautos bei Smart aus meiner Sicht nicht ganz passen. Da wird wohl auch der Daimler Konzern aus ihm gesprochen haben. Schade ist jedenfalls, dass selbst Smart als Hersteller sein Elektroauto als Nieschenmodell abtut, obwohl die Elektromobilität ja der Grundgedanke von Herrn Hayek war.
Ich finde die Diskussion hat sehr schön gezeigt wohin die Reise gehen wird. Zunächst werden die Hersteller einen Technologiemix aus Hybridautos, Gasfahrzeugen, Elektroautos, Brennstoffzellenautos und konventionell angetriebenen Fahrzeugen anbieten. Daran wird wohl alleine die naturgemäß träge Modellpolitik der Hersteller nichts ändern.
Aus Sicht des heutigen Stand der Technik sehe ich allerdings das Brennstoffzellenauto als letzte Evolutionsstufe. Sobald eine Infratstruktur für Wasserstoff steht wird auch die Brennstoffzelle soweit sein, dass sie massentauglich ist. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen arbeiten fieberhaft daran den Einsatz von Platin auf ein finanziell erträgliches Niveau zu bringen. Angepeilt ist dabei eine Menge von um die 8 Gramm pro Brennstoffzelle, etwa soviel wie in einem heutigen Kfz-Katalysator verwendet wird. Ziel ist es gar kein Platin mehr einsetzen zu müssen. Sie sehen aber, dass es weniger ein technisches als ein finanzielles Problem ist. Alltagstauglich sind die Brennstoffzellen heute schon wie viele Alltagsversuche u.a. von Opel, Daimler und Honda bereits gezeigt haben.
Artikel:
Brennstoffzellenautos – Opel Hydrogen4 Testflotte durchbricht 2 Mio Meilen Schallmauer
Brennstoffzellenautos – Große Zukunft mit hohen Hürden
Neu entwickelte Brennstoffzelle benötigt kein Platin mehr
Meine Frage in der Diskussion war, wie die Hersteller den Widerspruch in ihrer Fahrzeugpalette dem Kunden nahebringen wollen. Wie verargumentiert man, dass der Kunde für seine Bedürfnisse besser mit einem Range-Extender oder einem batterieelektrischen Modell bedient ist als mit einem konventionell betriebenen PKW. Als Antwort kam bekam ich zusammenfassend, dass der Kunde selbst zu entscheiden hat was er braucht. Eine Aufklärung seitens des Händlers darüber welche Technologie für welchen Mobilitätstypen am Besten geeignet wären scheint also leider nicht angestrebt zu werden.
Ich hoffe ich konnte Ihnen damit weiterhelfen. Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Viele Grüße,
Thomas – greenmotorsblog.de
ARD KONTRASTE Sendung vom 01.09.2011
Mythos Elektroauto – Wem nützen die Steuermilliarden wirklich?
Interessanter Bericht – wie die Autokonzerne die E-Autos “missbrauchen” um diese “Nullemissionsfahrzeuge” gegen ihre Spritschlucker aufzurechnen;
damit sie die drohenden STRAFEN (in Mrd.-Hoehe!!!) der EU zu entgehen. (Allen voran Daimler mit dem SMART-ED)
Denn wenn ab 2015 zu hohe CO2 Emissionen bei seinen Fahrzeugen hat muss hohe Strafzahlungen entrichten.
Unter diesem Gesichtspunkt ist es fuer Daimler sogar denkbar die erste Zeit EVs mit Verlust zu verkaufen (da man hintenrum ja immer noch spart)
… so deren Sprecher im Interview.
http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_01_09/mythos_elektroauto.html
… der E-Antrieb passt immer noch nicht ins Weltbild der Benzinkoepfe … es geht immer nur ums GELD (kurzfristig verdient)!
Elekrische Gruesse
von einem langjaehrigen EV-Fahrer !