Nach dem Dornröschenschlaf – Perspektiven für die deutsche Batterieindustrie


Das Batteriegeschäft bestimmen heute im Wesentlichen asiatische Hersteller. Nach einer 20-jährigen Abstinenz könnte Deutschland im Zuge der aufkeimenden Elektromobilität jedoch wieder in die Entwicklung eigener Batterien einsteigen.

„Deutschland wird ohne eigene Batterieentwicklung bei der Speichertechnik abhängig sein“, sagte Klaus Brandt, Vice President Battery Materials bei Süd-Chemie, auf dem e-Monday am 29. Juni 2011 in München. Sein Appell lautet daher: „Wir müssen schnell viel mehr tun.“ Die Förderung der Bundesregierung mit dem Ziel von einer Million Elektroautos im Jahr 2020 bezeichnete Brandt als „bescheiden im Vergleich zu China“.

Andere Länder würden zudem auch die Batterieentwicklung subventionieren, wohingegen in Deutschland sowohl Zelltechnik als auch -förderung fast nicht vorhanden seien. „Was die Batterietechnik anbelangt, hat Deutschland die letzten 20 Jahre im Dornröschenschlaf verbracht“, sagte Brandt. So gäbe es hierzulande nur wenige Leute, die wüssten, wie Batterien gebaut werden. Vorhanden sei hingegen die Materialkompetenz, die wesentlich zur Leistungsfähigkeit beitrage. „Eine Batterie ist nur so gut wie die Zellen, die in ihr verbaut sind, und die sind nur so gut wie die Chemie in ihnen“, merkte der promovierte Physiker an.

Um Deutschland als Herstellerland von Batterietechnik zu etablieren, sah er vor allem auf zwei Ebenen Handlungsbedarf: in der Forschung und in der internationalen Zusammenarbeit. So müsse die Forschung an Lithium-Schwefel- sowie Lithium-Luft-Batterien stärker gefördert werden sowie generell die Ausbildung in Batterietechnik an Universitäten und Instituten. Darüber hinaus sollten sich deutsche Firmen sowie Industrieverbände stärker um internationale Zusammenarbeit bemühen, als Beispiel nannte Brandt die Kooperation von Samsung und Bosch. Zudem sollten auch in Deutschland, wie das in anderen Ländern bereits üblich ist, industrielle Anlagen zur Zellfertigung gefördert werden.

In den Batteriemarkt einzusteigen, lohne sich, denn die Aussichten für Batteriehersteller seien durchaus rosig. Die Beratungsfirma McKinsey prognostiziert für das Jahr 2020 rund sieben Millionen Hybride und Elektroautos weltweit. Zudem werden Batterien auch bei der Energiespeicherung im Stromnetz eine große Rolle spielen. So ermittelte die Boston Consulting Group Kosten in Höhe von 150 Milliarden Euro kumuliert von heute bis 2030 für installierte Batterien. Süd-Chemie entwickelt Lithiumeisenphosphat (LFP), ein leistungsfähiges und sicheres Speichermaterial für Lithium-Ionen-Batterien. Ab 2012 wird das Unternehmen in Kanada in der weltweit ersten Serienproduktionsanlage für LFP rund 2.500 Tonnen dieses Materials im Jahr herstellen – diese Menge ermöglicht zum Beispiel die Fertigung von jährlich etwa 50.000 vollelektrischen oder bis zu 500.000 hybridbetriebenen Pkw.

Darüber hinaus stellten drei weitere Referenten ihre Projekte zum Thema Mobilität und Nachhaltigkeit vor. Letztere will Siegried Adam zusammen mit den Initiatoren von „Love Green“ in der Mitte der Gesellschaft verankern. Dazu zeigt die deutschlandweite Medien-Initiative seit 2. Juli 2011 TV-Spots auf Sat1. Elektromobilität erlebbar machen, will seit 8. Juli 2011 das Beratungsunternehmen M+P mit einer eigenen Verkaufsstelle in München. Im M+P E-Mobility Shop können Interessenten unterschiedliche Elektrofahrzeuge mieten, von E-Bike über Roller, Segway und Motorrad bis hin zum Pkw.

Patrick Souhait präsentierte das französische Unternehmen Muses, das mit seinem Mehrzweckfahrzeug Mooville in Deutschland Fuß fassen möchte. Das E-Auto passt sich den unterschiedlichen Bedürfnissen im städtischen Umfeld flexibel an: Basierend auf einer Plattform aus Fahrzeuggestell und Rädern lässt sich ein Mehrpersonen- ebenso wie ein Lastenwagen realisieren.

greenmotorsblog.de – Quelle: e-Monday

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