Co-Mobilität – Diskussion um Free-Float Angebote geht weiter


Ko-MobilitätDie Kritik am free-float Carsharing hinsichtlich Umweltverträglichkeit wächst – der Co-Mobilitäts Gedanke der Intermodalität wird verdrängt.

Carsharing galt bislang gemeinhin als umweltfreundlich und verkehrsmindernd. Ist doch klar. Wer kein eigenes Auto hat benötigt keinen Stellplatz und fährt auch nicht bei jeder nötigen oder unnötige Gelegenheit mit dem eigenen PKW, reduziert also auch seinen CO2-Ausstoß. Aber es gibt auch andere, kritischere Stimmen.

Die Kritik

Das sehen der Bundesverband Carsharing (BCS) und die Deutschen Umwelthilfe in Bezug auf ökologische Gesichtspunkte allerdings anders. Willi Loose vom BCS dazu: „Die Bequemheit der Nutzung birgt auch die Gefahr, dass stärker auf das Auto zurückgegriffen wird, als wir es aus dem stationsbasierten Carsharing kennen“. Gabi Lambrecht ebenfalls vom BCS argumentiert in dieselbe Richtung: „Unser Ziel ist, die Anzahl von Autos und den Ausstoß von CO2 zu reduzieren. Wir haben die Vermutung, dass dies mit dem stationären Carsharing besser zu erreichen ist als mit dem nicht stationären Konzept“.

www.comobility.de

Die Deutsche Umwelthilfe formuliert ihre Kritik noch drastischer: „Die nicht stationsgebundenen Carsharing-Konzepte der beiden großen Automobilhersteller sind ein Frontalangriff auf den öffentlichen Personennahverkehr und ökologischer Blödsinn“. Auch die stationsgebundene Konkurrenz von CiteeCar bläst sicher nicht ganz uneigennützig ins dasselbe Horn: „Wir sind an einem kritischen Punkt für den Sektor gelangt, an dem nun auch Autohersteller massiv in den Markt drängen. Bereits im letzten Bericht hat der BCS Zweifel geäußert, ob diese neuen Systeme überhaupt Carsharing-Systeme nach Definition des Bundesverbandes sind.“

Aktuelle Studie

Eine der Wirtschaftswoche exklusiv vorliegende Studie – befragt wurden für die Studie des „Automotive Institute for Management“ der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden 1.200 Carshring-Nutzer – bescheinigt dem gesamten Carsharing Sektor für dieses Jahr eine glänzende Zukunft. Bis Ende 2013 soll die Nutzerzahl von Carsharing-Angeboten von aktuell etwa 500.000 auf rund 3 Millionen ansteigen.

Auf ein eigenes Auto verzichten wollen mit fast einem Drittel die Nutzer von stationsgebundenen Angeboten wie Flinkster, Cambio und Stadtmobil. Aber auch die Nutzer von Free-Floating Carsharern wollen ihr eigenes Auto abschaffen. 20% der Befragten sind bereit zugunsten von Angeboten wie car2go, DriveNow oder Multicity auf einen eigenen Wagen zu verzichten. 14% der bisherigen Nutzer von Carsharing haben bereits einen Wagen abgeschafft.

www.comobility.de

 

Meine Meinung

Wie so oft stellt sich auch hier der Kampf David gegen Goliath dar – unabhängige stationsgebundene gegen konzerngestützte free-float Angebote. Auch der Kampf des ÖPNV gegen den Individualverkehr ist wahrscheinlich fast so alt wie das Auto selbst, genauso wie die des Umweltschutzes. Die Argumentationen aller Seiten sind vor dem Hintergrund ihrer Interessen gut nachvollziehbar.

Beschnitten wird dadurch wie so häufig wieder nur die Meinung des Otto-Normalverbrauchers. Schwarz-Weiß-Malerei drängt diesen dazu sich für eine Seite entscheiden zu müssen. Dass sich die einzelnen Systeme hin zu einem intermodalen Mobilitätssystem ergänzen, das ob seiner Flexibilität einen weitreichenden Mehrwert für den Nutzer bieten kann, wird dabei leider vollkommen außer Acht gelassen. Co-Mobilität setzt aber voraus, dass dem jeweils anderen auch eine Daseinsberechtigung eingeräumt wird.

greenmotorsblog.de – via green.wiwo.de & carsharingblog.de


1 Kommentar

  1. Thomas sagt:

    Ich nutze sowohl Greenwheels und Flinkster als auch DriveNow. Mir ist bei DriveNow auch passiert: Warum die Straßenbahn nehmen, nehme ich doch das Auto! Ich bin dann bei schönstem Fahrrad-Wetter zu einem Ort gefahren, der direkt neben einer StraBa-Haltestelle lag. Dort habe ich dann einen Parkplatz gesucht, von dem ich dann ein Stück laufen musste. Und am Ende habe ich 12 € für hin- und Rückfahrt bezahlt, statt 4,80 € für ÖPNV. Totaler Blödsinn.

    Ja, es ist bequem und verleitet zu unnötigen Fahrten. Deswegen sollte man es für Autos nicht zu bequem gestalten in der Stadt zulasten von Radwegen oder der Strabahn. Und man sollte FreeFloat nicht zu stark subventionieren, um den ÖPNV nicht zu weit zu belasten. Der Rest regelt dann hoffentlich der Preis.

    Gruß
    Thomas

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