WOCOMOCO – „Geteilte Mobilität ist geliebte Mobilität“


Am 22. und 23. Mai 2013 führte die Mobilitätsakademie im Verkehrshaus Luzern erstmals den World Collaborative Mobility Congress (wocomoco) durch, bei dem sich etwa 150 Teilnehmer zusammenfanden, um Herausforderungen und Lösungen kollaborativer Mobilitätsformen zu diskutieren.

Um es vorweg zu nehmen: Der Organisator, die Schweizer Mobilitätsakademie unter Jörg Beckmann, hat mit dem ersten wocomoco eine vielseitige Plattform geschaffen, die alle wichtigen Aspekte aus den Bereichen P2P-Carsharing, B2C-Carsharing und Mitfahrgelegenheiten berücksichtigt ohne dabei die Nutzerperspektive zu vernachlässigen.

Mobilitätsarchitekten

Der Kongress war geprägt von vielen kurzweiligen, ja teilweise unterhaltsamen Vorträgen, was nicht zuletzt dem „Pecha Kucha Breakfast“ zu verdanken war, das am zweiten Kongresstag auf der Tagesordnung stand. Bei dieser Vortragsart, die ihre Ursprünge in japanischen Architektur-Szene hat, bekommen die Vortragenden eine strikte Zeitvorgabe, in der sie ihr Thema präsentieren können. Jede der 20 Folien wird genau für 20 Sekunden angezeigt, was so eine Vortragszeit von genau 6 Minuten und 40 Sekunden ergibt.

Als Publikumsliebling wurde der Vortrag „Mobilitätsmarktplätze-Daten (das Öl des 21.Jahrhunderts)“ von Yan Minagawa und Florian Detig gewählt. Den Machen von TeleportR gelang es in unter 7 Minuten den Zuhörern einen guten Einblick in ihre vielversprechende Lösung zu geben: Das dem World Wide Web nachempfundene Konzept ride2go soll der Vernetzung von Mobilitätsanbietern zum gegenseitigen Vorteil dienen. Mit diesem peerorientiertem und dezentralem Netzwerk aus Informationsroutern und Mobilitätshubs soll es erstmalig möglich werden, Echtzeitinformation über Verfügbarkeiten oder Veränderungen von Mobilitätsmöglichkeiten an Mobilitätsanbieter, Verwerter oder Nutzer zu verbreiten und ohne dass diese Einschränkungen bei ihrer Eigenständigkeit eingehen müssen.

Every Ride is Full of Empty Seats

Der Kongress war in drei Schwerpunkte aufgeteilt: P2P-Carsharing, B2C-Carsharing und Mitfahrgelegenheiten. Ich zitiere an dieser Stelle den #wocomoco Twitter-Stream, um einen kleinen Überblick zu geben:

@Mi_Kuhn
#wocomoco has started. Intro speech on collaborative mobility. Who goes comobile, when & where?
1:25 PM May 22nd 

@car2go
Alle 3 Sekunden beginnt irgendwo auf der Welt eine car2go Miete. 375.000 Kunden in den 19 Städten. #wocomoco
12:13 PM May 23rd

@mvt_tc
RT @briggsmartyn: Our friends from @citeecar at #wocomoco presenting their innovative host concept
12:43 PM May 23rd

@mobilityacademy
Stephanie Mayr, carpooling.com: Zentraler Begriff bei Fahrgemeinschaften ist der fill-factor, oder simpel die Auslastung #wocomoco
1:57 PM May 23rd

@Marc04641
Drummond Gilbert talks about @gocarshare and why carpooling to festivals is becoming famous. #wocomoco
2:35 PM May 23rd

@Marc04641
Jetzt Benjamin Kirschner von @flinc. Ist flinc das “Smart Grid“ der Mobilität? #wocomoco
2:51 PM May 23rd

Flinkster und P2P-Carsharing

Etwas näher soll hier auf den Vortrag von Rolf Lübke eingegangen werden. Rolf Lübke ist der Vorsitzende der DB Rent GmbH, zu der auch Flinkster gehört. Flinkster ist mit mehr als 215.000 Kunden und 2.800 Fahrzeugen der größte Carsharing-Anbieter in Deutschland. Die Kunden können zudem Carsharing-Autos in der Schweiz und Österreich nutzen. Noch dieses Jahr soll die sogenannte Quernutzung auch in Frankreich und Italien möglich werden. Herr Lübke kündigte außerdem an, dass man in das Geschäft des P2P-Carsharings einsteigen wolle und ein Carsharing mit Oldtimern geplant sei. Weitere Details über die Angebote Flinkster Privat und Classic wurden zwar nicht verraten, jedoch betonte Herr Lübke, dass zuerst gleiche Bedingungen und Klarheit auf dem Markt der P2P-Anbieter geschaffen werden müsse. Dies gelte insbesondere bei der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen. So müssten, und so sehe es auch das Bundesverkehrsministerium, auch privat vermietete Fahrzeuge als so genannte „Selbstfahrervermietfahrzeuge“ zugelassen sein. Dahinter steht die Pflicht der regelmäßigen jährlichen technischen Untersuchung bei DEKRA, TÜV usw. „Bei der DB Rent GmbH entstehen durch diese Zusatzuntersuchung jedes Jahr Kosten in Höhe von 5 Millionen Euro“ so Lübke weiter.

Car2(no-)go in der Schweiz

Als Hauptsponsor war Daimler erfreulicherweise prominent vertreten. Neben Andreas Leo, Pressesprecher car2go und Michael Kuhn, Head of Communications bei Daimler Mobility Solutions, hielt auch Wilfried Steffen, Leiter der Business Innovation bei Daimler, Vorträge. Dieser stellte treffend fest: „Um etwas teilen zu können, muss es auch jemand geben, der es besitzt. Da sehen wir die Rolle für einen klassischen Automobilhersteller“. Auf die Frage, wann car2go in der Schweiz käme, sagte Herr Steffen, dass nur Zürich bezüglich der kritische Masse von Interesse wäre, aber die  politische Strategie Zürichs der Parkräume betreffend ein „No-Go“ für car2go darstelle. Jedoch seien Kooperationen im Zusammenhang mit Moovel sehr erstrebenswert.

Kollaborativer Konsens

Im abschließenden „Swiss Policy Panel“ diskutierten Vertreter aus Wirtschaft und Industrie und Politik über die Zukunft der kollaborativen Mobilität in der Schweiz. Doch wer eine kontroverse Diskussion erwartete, wurde enttäuscht. Alle Beteiligten waren sich einig darüber, dass die Vernetzung und  Integration weiter voranschreiten muss und die Politik nur bis zu einem bestimmten Punkt eingreifen könne. Vergeblich versuchte  Jörg Beckmann ein Streitgespräch zwischen den Teilnehmern zu initiieren. Seiner abschließenden Feststellung ist nichts weiter hinzuzufügen: „Geteilte Mobilität ist geliebte Mobilität“.

greenmotorsblog.de

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